#4 Türkisches

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„Gibt es hier türkischen Tee?“, frage ich in dem Lokal in Pristina, das im Fenster auf türkisch für Suppen wirbt. „Burasi cay evi“, antwortet der alte Mann mit Schnäuzer und schlohweißem Haar hinter der Theke. „Dies ist ein Teehaus.“

So selbstverständlich wie ihm das erscheint, ist die Selbstverständlichkeit selber auch das Tagesgeschäft. Hier soll alles so sein wie man erwartet – so, wie in Istanbul, so, wie vor 50 Jahren vielleicht. Er bringt den Tee im klassisch winzigen Glas, während der einzige Gast außer mir die Gebetsperlen klackern lässt. Dies ist ein Männerort. An der Wand erstreckt sich auf einer Holztafel Istanbul, das alte Istanbul, das die Sehnsüchte eines Balkantürken bündelt. Der Teekessel dampft in der Ecke, man ist höflich zu mir, ich spiele das Spiel der geselligen Floskeln, aber ich spiele es hier wie ein Mann. Stelle Fragen und stoße auf Einsilbigkeit. „Gibt es viele Türken hier?“, der Alte nickt, „Ja“. „Aber in Prizren gibt es die meisten?“ Wieder ein Nicken. Der Tee geht auf’s Haus. Etwa 18 000 ethnische Türken leben im Kosovo und mit ihnen türkische Wörter, die sich unter osmanischer Besetzung eingeschlichen haben und seitdem blieben. Seker – Sheqer – Zucker. Cay – Caj – Tee. Duman – Duhan – Rauch.

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